Auszug aus der Autobiographie eines Yogi von Paramahansa Yogananda. Kapitel 43, Seite 522

die Auferstehung und Jenseitskunde des Sri Yukteswar
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Sri Krishna! rief ich überrascht aus, als mir ganz unvermutet die strahlende Gestalt des Avatars erschien. Ich saß am offenen Fenster meines Zimmers im Regent Hotel in Bombay, als die wunderbare Vision plötzlich über dem hohen Dach des gegenüberliegenden Gebäudes sichtbar wurde.
Die göttliche Gestalt nickte mir lächelnd zu und hob grüßend die Hand. Während ich noch darüber nachdachte, was die Erscheinung wohl zu bedeuten habe, entschwand er mit einer segnenden Geste. Ich fühlte mich auf wunderbare Weise erhoben und ahnte, daß mir ein besonderes geistiges Erlebnis bevorstand.
Meine Rückreise nach Amerika war vorläufig aufgeschoben worden; ich sollte noch mehrere öffentliche Ansprachen in Bombay halten, ehe ich zu einem letzten Besuch nach Bengalen fuhr.
Als ich am 19. Juni 1936  eine Woche nach meiner Krishna-Vision  gegen drei Uhr nachmittags auf dem Bett meines Hotelzimmers in Bombay saß und meditierte, wurde ich plötzlich auf ein wundersames Licht aufmerksam. Erstaunt öffnete ich die Augen und sah, daß sich der ganze Raum in eine fremdartige Welt verwandelt hatte, in der sich das Sonnenlicht in einen überirdischen Glanz verwandelte.
Wer aber kann meine Seligkeit beschreiben, als ich Sri Yukteswar (der verstorbene Meister von Yogananda) leibhaftig vor mir stehen sah!
"Mein Sohn!" sagte der Meister, während er mich mit engelhaftem Lächeln anblickte.
Zum ersten Mal in meinem Leben kniete ich nicht zu seinen Füßen nieder, sondern ging sofort auf ihn zu und schloß ihn ungestüm in meine Arme. Welch einzigartiger Augenblick! Die überwältigende Glückseligkeit, die mich jetzt überflutete, wog allen Schmerz der vergangenen Monate in reichem Maße auf. "Meister, mein geliebter Meister, warum habt Ihr mich verlassen? " Im Überschwang der Freude stieß ich meine Sätze etwas zusammenhanglos hervor. "Warum habt Ihr mich zum Kumbha-Mela gehen lassen? Was für bittere Vorwürfe habe ich mir gemacht, daß ich Euch allein gelassen habe."
"Ich wollte dir die Vorfreude nicht verderben, da du so gern den Pilgerort sehen wolltest, wo ich Babaji zum ersten Male begegnet bin. Außerdem habe ich dich nur für kurze Zeit verlassen; bin ich nicht wieder bei dir?"
"Aber seid Ihr es wirklich, Meister  derselbe Löwe Gottes? Ist dieser Körper ein genaues Ebenbild des alten, den ich in den grausamen Sand von Puri gebettet habe?"
"Ja, mein Kind, ich bin derselbe. Dieser Körper ist aus Fleisch und Blut. Obgleich ich ihn als ätherische Substanz sehe, erscheint er deinen Augen als körperliche Form. Ich habe aus den Atomen des Kosmos einen neuen Körper gebildet, der genau dem physischen Traumkörper gleicht, den du in deiner Traumwelt im Traumsand von Puri begraben hast. Ich bin wahrhaftig auferstanden, doch nicht auf Erden, sondern auf einem Astralplaneten, dessen Bewohner höher entwickelt sind als die Erdenmenschen und daher meinen hohen Ansprüchen besser genügen. Dort wirst du mit deinen fortgeschrittenen Jüngern einst ebenfalls hinkommen."
"Unsterblicher Guru, erzählt mir mehr!"
"Liebes Kind", sagte der Meister da lachend, "kannst du deine Umarmung vielleicht ein wenig lockern?"
"Ja, aber nur ein wenig", sagte ich, denn ich hielt ihn tatsächlich mit Herkulesarmen umschlungen. Dabei spürte ich denselben leichten Duft, den ich von seinem irdischen Körper her kannte. Und immer, wenn ich mir diese herrlichen Stunden vergegenwärtige, fühle ich denselben beseligenden Schauer über die Innenseiten meiner Arme und Hände rieseln wie damals, als ich seinen göttlichen Körper berührte.
"Ähnlich, wie Propheten auf die Erde gesandt werden, um den Menschen zu helfen, ihr irdisches Karma abzutragen, bin ich von Gott beauftragt worden, als Erlöser auf einem Astralplaneten zu wirken", erklärte Sri Yukteswar. "Dieser trägt den
Namen Hiranyaloka, was soviel wie 'Erleuchteter Astralplanet' bedeutet. Dort helfe ich den fortgeschrittenen Wesen, sich von ihrem astralen Karma, d.h. von astraler Wiedergeburt zu befreien. Die Bewohner von Hiranyaloka haben bereits eine hohe geistige Entwicklungsstufe erreicht; sie alle haben während ihrer letzten irdischen Inkarnation durch ausdauernde Meditation die Fähigkeit erlangt, ihren Körper im Tode bewußt zu verlassen. Nur wer auf Erden nicht allein in den Savikalpa-Samadhi, sondern auch in den höheren Zustand des Nirvikalpa-Samadhi  1 eingegangen ist, darf  Hiranyaloka betreten.

1 Siehe Seite 308. Im Savikalpa-Samadhi vereinigt sich der Gottsucher vorübergehend mit dem GEIST, kann das kosmische Bewußtsein aber nur im unbeweglichen Trancezustand erleben. Durch ausdauernde Meditation erreicht er schließlich den höheren Zustand des Nirvikalpa-Samadhi, in dem er seine Gotteswahmehmung auch dann nicht verliert, wenn er sich frei umherbewegt und seinen täglichen Pflichten nachgeht. Im Nirvikalpa-Samadhi tilgt der Yogi die letzten Reste seines irdischen Karmas. Dann aber verbleibt noch ein gewisses astrales und kausales Karma, das ihn zwingt, astrale und später kausale Körper auf höheren Schwingungsebenen anzunehmen.

Die Seelen auf Hiranyaloka haben die gewöhnlichen Astralsphären (in denen sich fast alle Erdenmenschen nach ihrem Tod aufhalten) bereits hinter sich gelassen, d.h., sie haben dort den größten Teil ihres astralen Karmas gesühnt. Jedoch nur fortgeschrittene Wesen können ein solches Erlösungswerk  in den Regionen der Astralwelt vollbringen. Um sich dann von den letzten Spuren ihres astralen Karmas zu befreien, werden diese Seelen nach dem kosmischen Gesetz in einem neuen Astralkörper auf Hiranyaloka  der Astralsonne oder dem Astralhimmel  wiedergeboren, wo ich mich gegenwärtig befinde, um ihnen zu helfen. Außerdem leben auch noch nahezu vollkommene Wesen auf Hiranyaloka, die aus der höheren Kausalwelt kommen."

2 Die Schönheiten und Freuden der Astralwelt nehmen die meisten Menschen so sehr gefangen, daß sie sich nicht mehr ernsthaft um geistige Fortschritte bemühen.

Ich hatte mich jetzt so vollkommen auf meinen Guru eingestellt, daß er mir seine Wortbilder teils mündlich, teils durch Gedankenübertragung vermittelte. Auf diese Weise konnte ich sein Gedankenmosaik im Nu erfassen.

"Du hast in den heiligen Schriften gelesen", fuhr der Meister fort, "daß Gott die menschliche Seele nacheinander in drei Körper einschloß: den Ideen- oder Kausalkörper, den feinstofflichen Astralkörper , Sitz des Verstandes und des Gefühls  und den grobstofflichen irdischen Körper. Die Erdenmenschen sind mit irdischen Sinnen ausgestattet. Die Organe der Astralwesen bestehen aus Bewußtsein und Empfindungen, und ihr Körper aus Biotronen 3. Ein Kausalwesen dagegen lebt nur noch in den seligen Gefilden der Gedanken. Meine Aufgabe besteht darin, jenen Astralwesen zu helfen, die sich darauf vorbereiten, in die Kausalwelt einzugehen  oder zu ihr zurückzukehren."

3 Sri Yukteswar (der während dieser langen Unterhaltung Bengalisch sprach) gebrauchte das Sanskritwort Prana. Als Übersetzung habe ich das Wort "Biotronen" geprägt. Die heiligen Schriften der Hindus sprechen nicht nur von Anu, dem "Atom", von Paramanu, "dem, was jenseits des Atoms liegt", d.h. den feineren elektronischen Energien, sondern auch von Prana, der "schöpferischen Lebenskraft". Atome und Elektronen sind blinde Kräfte, während Prana intelligenzbegabt ist. So bestimmt z.B. das Prana oder die Lebenskraft in Sperma und Eizelle das Wachstum des Embryos, das sich nach einem feststehenden karmischen Plan vollzieht.

"Geliebter Meister, erzählt mir bitte mehr über den astralen Kosmos!" Obgleich ich auf Sri Yukteswars Bitte hin meine Umarmung gelockert hatte, hielt ich ihn,  meinen kostbarsten Besitz, meinen Guru, der den Tod überlistet hatte, um mich aufzusuchen,  immer noch fest umschlungen.
"Es gibt viele Astralsphären, die von astralen Wesen bevölkert sind", begann der Meister. "Ihre Bewohner bedienen sich astraler Beförderungsmittel aus Licht, mit denen sie schneller als die Elektrizität oder radioaktive Energie von einem Planeten zum anderen reisen.
Das astrale Universum besteht aus feinen Licht- und Farbschwingungen und ist vielhundertmal größer als der physische Kosmos. Die ganze grobstoffliche Schöpfung hängt wie eine kleine massive Gondel unter dem riesigen, leuchtenden Ballon der Astralsphäre. Ebenso wie es viele physische Sonnen und Sterne gibt, die im Weltraum schweben, so gibt es auch zahllose astrale Sonnen- und Sternsysteme. Die astralen Sonnen und Monde sind viel prächtiger als die physischen. Man kann sie etwa mit dem Nordlicht vergleichen, wobei das astrale Nordlicht der Sonne strahlender ist als das milde Nordlicht des Mondes. Tag und Nacht sind in der Astralwelt viel länger als auf Erden.
Das astrale Universum ist unvorstellbar schön, sauber, rein und geordnet. Dort gibt es keine ausgestorbenen Planeten und kein verödetes Land. Auch die irdischen Plagen wie Unkraut, Bakterien, Insekten und Schlangen existieren dort nicht. Während es auf Erden krasse Temperaturunterschiede und den Wechsel der Jahreszeiten gibt, haben die Astralsphären das gleichbleibende Klima eines ewigen Frühlings mit gelegentlichem leuchtend weißem Schneefall und vielfarbigem Lichtregen. Die Astralwelt ist reich an kristallklaren Seen, leuchtenden Meeren und regenbogenfarbenen Flüssen.
Das gewöhnliche astrale Universum - nicht der höhere Astralhimmel von Hiranyaloka -  ist von Millionen Astralwesen bevölkert, die vor kürzerer oder längerer Zeit von der Erde gekommen sind, sowie von Myriaden Feen, Wassernixen, Fischen, Tieren, Kobolden, Gnomen, Halbgöttern und Geistern, die alle  je nach ihrer karmischen Beschaffenheit  auf entsprechenden Astralebenen leben. Gute und böse Geister wohnen in getrennten Sphären. Während sich die guten frei um herbewegen können, bleiben die bösen Geister auf die ihnen zu gewiesene Zone beschränkt. Genauso wie die menschlichen Wesen auf der Oberfläche der Erde, die Würmer im Boden, die Fische im Wasser und die Vögel in der Luft leben, so leben auch die Astralwesen, je nach ihrem Entwicklungsgrad, in ihrem natürlichen Schwingungsbereich.
Zwischen den bösen, gefallenen Engeln, die aus verschiedenen Astralwelten ausgestoßen wurden, finden Kämpfe und Kriege statt. Bomben aus Biotronen und vibrierende mantrische  4 Strahlen dienen ihnen als Waffen. Diese Ausgestoßenen leben in den finsteren Regionen des niederen Astralkosmos, wo

4 Ein Adjektiv zu Mantra, bestehend aus gesprochenen oder gesungenen
Lauten, die bei tiefer Konzentration wie geistige Geschosse wirken. Die
Puranas (die alten Shastras oder Erzählungen) beschreiben mantrische
Kriege zwischen den Devas und Asuras (den Göttern und Dämonen).
Ein Asura versuchte einst, einen Deva mit einem machtvollen Lied zu
schlagen; da er aber eine falsche Betonung hineinlegte, wurde die geistige
Bombe zu einem Bumerang, der den Dämon tötete.

sie ihr schlechtes Karma abbüßen.
In den unermeßlichen Gefilden oberhalb des dunklen Astralkerkers ist alles leuchtend und schön. Der astrale Kosmos kann sich viel leichter als die Erde dem göttlichen Willen und dem vollkommenen göttlichen Plan angleichen. Jeder astrale Gegenstand wird in erster Linie durch Gottes Willen, zum Teil aber auch durch den Willen der Astralwesen erschaffen. Diese besitzen die Macht, die Form irgendeines Gegenstandes, der bereits von Gott erschaffen wurde, abzuändern oder seine Schönheit noch zu steigern. Der Herr hat seinen Astralkindern das Vorrecht gegeben, die Astralwelt nach Wunsch zu verändern oder zu verbessern. Auf Erden kann eine feste Substanz nur durch einen natürlichen oder chemischen Prozeß in einen anderen Aggregatzustand verwandelt werden; die Astralwesen dagegen können die festen Astralformen allein durch ihren Willen in astrale Flüssigkeiten, Gase oder in Atomenergie verwandeln.
Auf der dunklen Erde gibt es Mord und Kriege zu Wasser,  zu Land und in der Luft", fuhr mein Guru fort. "In den astralen Gefilden aber herrscht eine beglückende Harmonie und Übereinstimmung. Die astralen Wesen entmaterialisieren und materialisieren ihren Körper nach Wunsch. Auch Blumen, Fische und Tiere können sich vorübergehend in astrale Menschen verwandeln. Allen Astralwesen steht es frei, irgendeine Gestalt anzunehmen und sich mühelos miteinander zu verständigen. Kein unabänderliches Naturgesetz hindert sie; so kann z.B. jeder astrale Baum auf Wunsch eine astrale Mango, eine Blume oder irgendeinen anderen Gegenstand hervorbringen. Allerdings gibt es auch in der Astralwelt gewisse karmische Begrenzungen, jedoch nicht in bezug auf gewünschte Formen. Gottes schöpferisches Licht pulsiert in allen Dingen.
Niemand wird von einer Frau geboren. Die Astralwesen können ihre Nachkommen kraft ihres kosmischen Willens materialisieren und ihnen bestimmte Formen geben. Ein Wesen von der Erde wird, je nach seinen geistigen und seelischen Neigungen, von einer ihm entsprechenden Astralfamilie angezogen.
Der Astralkörper ist weder Hitze noch Kälte noch anderen natürlichen Bedingungen unterworfen. Anatomisch gesehen, bestellt er aus einem astralen Gehirn mit dem teilweise tätigen, allwissenden 'tausendblättrigen Lotos des Lichts' und den sechs erweckten Zentren in der Sushumna - der astralen Gehirn- und Rückenmarksachse. Das Herz entzieht dem astralen Gehirn Licht und kosmische Energie und leitet diese an die astralen Nerven und Körperzellen, oder Biotronen, weiter. Astralwesen können durch die Kraft dieser Biotronen und durch heilige mantrische Schwingungen Veränderungen an ihrem Körper vornehmen.
In den meisten Fällen gleicht der Astralkörper der Form des letzten irdischen Körpers. Gesicht und Gestalt eines Astralwesens ähneln der jugendlichen Erscheinung seiner letzten irdischen Verkörperung. Gelegentlich jedoch zieht jemand, wie z.B. ich, seinen älteren Körper vor." Der Meister, der wie die blühende Jugend aussah, lachte fröhlich.
"Während die dreidimensionale irdische Welt nur durch die fünf Sinne des Menschen erkannt werden kann, werden die astralen Sphären durch den allumfassenden sechsten Sinn - die Intuition - wahrgenommen", fuhr Sri Yukteswar fort. "Die Astralwesen sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen nur durch ihre Intuition. Sie haben drei Augen, von denen zwei halb geschlossen sind. Das dritte und größte Auge jedoch, das sich senkrecht auf der Stirn befindet, ist geöffnet. Die Astralmenschen besitzen alle äußeren Sinnesorgane - Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut - , nehmen die verschiedenen körperlichen Empfindungen aber mit ihrem sechsten Sinn wahr. So können sie z.B. mit den Ohren, der Nase oder der Haut sehen, mit den Augen oder der Zunge hören, mit den Ohren oder der Haut schmecken usw. 5

5 An Beispielen hierfür fehlt es selbst auf Erden nicht, wie im Fall von Helen Keller und anderen außergewöhnlichen Menschen.

Der physische Körper des Menschen ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt und kann leicht verstümmelt oder verletzt werden. Auch der ätherische Astralkörper wird zuweilen verwundet oder gequetscht, kann aber sofort durch reine Willenskraft wieder geheilt werden."
"Gurudeva, sind alle Astralwesen schön?"
"Schönheit ist in der Astralwelt vor allem eine geistige Eigenschaft", erwiderte Sri Yukteswar. "Aus diesem Grunde legen die Astralwesen kein großes Gewicht auf ihr Aussehen. Sie haben jedoch die Macht, sich jederzeit mit neuen, farbenfreudigen Astralkörpern zu bekleiden, die sie selbst materialisieren. Ebenso wie sich die Menschen auf der Erde bei besonderen Anlässen festlich kleiden, so nehmen auch die Astralwesen gelegentlich nach Wunsch eine bestimmte Gestalt an.
Freudenfeste finden auf den höheren Astralplaneten wie Hiranyaloka z.B. dann statt, wenn sich ein Wesen geistig so hoch entwickelt hat, daß es sich von der Astralwelt lösen und in den Himmel der Kausalwelt eingehen kann. Bei solchen Gelegenheiten materialisieren sich die mit Gott vereinten Heiligen und sogar der unsichtbare Himmlische Vater selbst in leuchtenden Astralkörpern, um an der Festlichkeit teilzunehmen. Gott kann jede gewünschte Form annehmen, um seinen geliebten Kindern Freude zu machen. Bhaktas oder hingebungsvolle Naturen erblicken ihn oft als Göttliche Mutter. Jesus sah in Gott vor allem den liebenden Vater. Der Schöpfer hat jedem seiner Geschöpfe Individualität verliehen und muß daher alle vorstellbaren und unvorstellbaren Ansprüche an seine Vielseitigkeit in Kauf nehmen." Bei diesen Worten brachen wir beide in fröhliches Lachen aus.
"Freunde aus früheren Leben erkennen sich in der Astralweit leicht wieder", fuhr Sri Yukteswar mit seiner klangvollen Stimme fort. "Dort erfreuen sie sich jener ewigen Liebe und Freundschaft, an der sie auf Erden  besonders in der Stunde des scheinbar endgültigen Abschieds  so oft zweifelten.
Mittels ihrer Intuition können die astralen Wesen den Schleier, der sie von der irdischen Welt trennt, lüften und die Tätigkeit der Menschen beobachten; doch die Menschen können nicht in die astralen Sphären schauen, es sei denn, daß ihr sechster Sinn bis zu einem gewissen Grad entwickelt ist. Es gibt Tausende von Erdenbewohnern, die für kurze Augenblicke ein Astralwesen oder eine der Astralwelten erblickt haben. 6

6 Kinder, die ein reines Herz haben, können manchmal auf Erden eine anmutige Astralgestalt, z.B. eine Fee, erblicken. Andererseits können Drogen und berauschende Getränke, deren Genuß von allen heiligen Schriften untersagt wird, das Bewußtsein des Menschen derart zerrütten, daß er die abschreckenden Gestalten der astralen Hölle sieht.

Die Bewohner von Hiranyaloka befinden sich während der langen astralen Tage und Nächte gewöhnlich im Wachzustand der Nirvikalpa-Ekstase und helfen bei der Lösung schwieriger Probleme, die mit der Regierung des Kosmos und der Befreiung 'verlorener Söhne' (erdgebundener Seelen) zusammenhängen. Wenn die Bewohner von Hiranyaloka schlafen, haben sie gelegentlich Traumerlebnisse und astrale Visionen.
Alle Bewohner des Astralkosmos sind jedoch noch seelischen Leiden unterworfen. So verursacht es den sensiblen Wesen, die auf Hiranyaloka oder ähnlichen Planeten leben, z.B. tiefen Schmerz, wenn sie sich nicht richtig verhalten haben oder nicht auf den Grund der Wahrheit gedrungen sind. Diese fortgeschrittenen Wesen bemühen sich, all ihr Denken und Handeln in Einklang mit den geistigen Gesetzen zu bringen.
Die Verständigung zwischen den Bewohnern aller Astralwelten geschieht ausschließlich durch Telepathie und astrales Fernsehen. Es gibt keine der Irrtümer und Mißverständnisse, wie sie auf Erden durch das gesprochene und geschriebene Wort entstehen. So wie die Darsteller auf der Filmleinwand nur aus Licht und Schatten bestehen und sich bewegen und verschiedenen Tätigkeiten nachgehen, ohne wirklich zu atmen, so handeln und wandeln die Astralwesen wie intelligent gelenkte und aufeinander abgestimmte Lichtbilder, ohne Sauerstoff zum Leben zu brauchen. Die Existenz der Erdbewohner hängt von festen, flüssigen und gasförmigen Stoffen und der aus der Luft gewonnenen Lebensenergie ab; doch die Astralbewohner ernähren sich hauptsächlich von kosmischem Licht."
"Geliebter Meister, essen die Astralwesen überhaupt etwas? Ich nahm seine wunderbaren Erläuterungen mit Herz, Geist und Seele in mich auf. Anders als die flüchtigen Sinneseindrücke, die nur von vorübergehender, relativer Wirklichkeit sind und darum bald wieder verblassen, sind überbewußte Wahrnehmungen ewig wahr und unvergänglich. Die Worte meines Gurus haben sich meiner Seele so unauslöschlich eingeprägt, daß ich mir dieses göttliche Erlebnis jederzeit, wenn ich in den Samadhi eingehe, in allen Einzelheiten wieder vergegenwärtigen kann.
"Der astrale Boden bringt leuchtende, strahlenähnliche Pflanzen hervor", erwiderte er. "Die Astralbewohner nehmen Früchte und Pflanzen zu sich und trinken einen Nektar, der sich aus schimmernden Lichtquellen ergießt oder in astralen Bächen und Strömen fließt. So wie auf Erden die Bilder entfernter Menschen aus dem Äther herbeigeholt und durch den Fernsehapparat sichtbar gemacht werden, um sich später wieder im Raum zu verlieren, so können die Astralbewohner die im Äther schwebenden unsichtbaren astralen Bilder von Pflanzen und Früchten durch ihren Willen herbeiziehen. Ähnlich können sie allein durch ihre grenzenlose Vorstellungskraft herrliche Gärten erschaffen, die sich später wieder im unsichtbaren Äther auflösen. Die Bewohner himmlischer Sphären wie z.B. Hiranyalokas bedürfen also kaum der Nahrung; noch unabhängiger aber sind die nahezu vollkommenen Wesen in der Kausalwelt, deren einzige Nahrung aus dem Manna der Glückseligkeit besteht.
Ein Astralwesen begegnet zahllosen Freunden und Verwandten: Vätern, Müttern, Ehefrauen, Ehemännern und Kindern, mit denen es in früheren Inkarnationen verbunden war 7 und die von Zeit zu Zeit in den verschiedenen Regionen des Astralkosmos auftauchen. Daher weiß es nicht, wen es am meisten lieben soll, und lernt auf diese Weise, allen die gleiche göttliche Liebe zu schenken und in ihnen allen verschiedene Ausdrucksformen Gottes, d.h. Seine Kinder zu sehen. Die äußere Erscheinung ehemaliger Angehöriger mag sich mehr oder weniger verändert haben, je nachdem, welche neuen Charakterzüge sie im letzten Leben entwickelt haben; und dennoch erkennt ein Astralwesen mit untrüglicher Intuition alle wieder, die ihm einst auf einer anderen Daseinsebene nahegestanden haben, und heißt sie in ihrer neuen astralen Heimat willkommen. Jedes Atom der Schöpfung besitzt unveränderliche Individualität 8; aus diesem

7 Buddha wurde einst gefragt, warum man alle Menschen gleich lieben solle. "Weil jedes Wesen (irgendwann einmal in irgendeiner tierischen oder menschlichen Form) einem jeden von uns nahegestanden hat", erwiderte der große Lehrer.

8 Die acht Elementarkräfte  die wesentlichen Bestandteile allen erschaffenen Lebens, vom Atom angefangen bis zum Menschen  sind: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Sinnesbewußtsein (Manas), Intelligenz (Buddhi) und Individualität oder das Ich (Ahamkara). (Vergl. BhagavadGita VII, 4)

Grunde können die Astralwesen ihre Freunde ohne weiteres wiederfinden, ganz gleich, in welchem Gewand diese erscheinen  ebenso wie man auf Erden, bei näherem Hinsehen, einen Schauspieler in seinen verschiedenen Verkleidungen wiedererkennt.
Jeder Mensch lebt während einer bestimmten Zeitspanne auf einem Astralplaneten. Die Lebensspanne in der Astralwelt ist viel länger als auf Erden. Ein einigermaßen fortgeschrittenes Wesen verbringt nach irdischem Zeitmaß 500 - 1000 Jahre in der Astralwelt. Aber ebenso wie gewisse Mammutbäume andere Bäume um Jahrtausende überleben und wie einige Yogis mehrere hundert Jahre alt werden, während der Durchschnittsmensch noch vor Vollendung seines 60. Lebensjahres stirbt, so bleiben einige Astralwesen viel länger als gewöhnlich in den Astralsphären. Besucher der Astralwelt leben dort für kürzere oder längere Zeit, je nach der Beschaffenheit ihres irdischen Karmas, das sie zur festgesetzten Zeit wieder auf die Erde zurückzieht.
Ein Astralwesen kennt keinen qualvollen Todeskampf, wenn die Zeit gekommen ist, seinen Lichtkörper abzuwerfen. Dennoch werden manche bei dem Gedanken, ihre Astralform gegen die feinere Kausalform einzutauschen, von einer leichten Unruhe befallen. In der Astralwelt gibt es keinen gewaltsamen Tod, keine Krankheit und kein Altern. Diese drei Geißeln liegen wie ein Fluch über der Erde, wo der Mensch seinem Bewußtsein gestattet hat, sich ganz und gar mit einem gebrechlichen, irdischen Körper zu identifizieren, dessen Existenz von Sauerstoff,  Nahrung und Schlaf abhängt.
Beim körperlichen Tod tritt Stillstand der Atmung und Auflösung aller fleischlichen Zellen ein. Der astrale Tod dagegen besteht in der Auflösung der Biotronen - jener kosmischen Energieeinheiten, aus denen sich der Körper eines Astralwesens zusammensetzt. Beim körperlichen Tod löst sich das Bewußtsein des Menschen von der fleischlichen Hülle und gewahrt statt dessen seinen feinstofflichen Körper in der Astralwelt. Wenn seine Zeit drüben abgelaufen ist, erlebt er den astralen Tod; auf diese Weise pendelt sein Bewußtsein zwischen Geburt und Tod auf Erden und Geburt und Tod in der Astralwelt hin und her. Dieser sich ständig wiederholende Kreislauf astraler und irdischer Verkörperungen ist das unentrinnbare Schicksal aller unerleuchteten Wesen. Was wir in den heiligen Schriften über Himmel und Hölle lesen, erweckt oft schlummernde Erinnerungen in uns, die aus tieferen Schichten als denen des Unterbewußtseins kommen und uns zahlreiche Erlebnisse in den seligen Astralregionen und der leidvollen irdischen Welt ins Gedächtnis zurückrufen."
"Geliebter Meister", bat ich, "teilt mir bitte noch nähere Einzelheiten über den Unterschied zwischen der irdischen und der astralen Wiedergeburt mit."
"Als individuelle Seele gesehen, ist der Mensch im wesentlichen ein Kausalkörper", erklärte Sri Yukteswar. "Die Kausalform ist der Nährboden für die 35 Ideen Gottes - die grundlegenden oder kausalen Gedankenkräfte , die Gott später aufteilte, um aus 19 dieser Elemente den feinstofflichen Astralkörper und aus den 16 übrigen Elementen den grobstofflichen irdischen Körper zu bilden.
Die 19 Elemente des Astralkörpers sind mentaler, emotionaler und vitaler Art. Diese Elemente sind: Erkenntnisvermögen, Ichbewußtsein, Gefühl, Geist (Sinnesbewußtsein), die fünf Werkzeuge der Erkenntnis  die feinstofflichen Gegenstücke der fünf Sinne: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Tastsinn , die fünf Werkzeuge der Tätigkeit, welche für die körperlichen Vorgänge der Zeugung, Ausscheidung, des Sprechens, Gehens und der Fingerfertigkeit verantwortlich sind, und die fünf Werkzeuge der Lebenskraft, welche die Zellbildung, Assimilation, Elimination, den Stoffwechsel und Kreislauf im Körper bewirken. Diese feinstoffliche  astrale Hülle überlebt die irdische Form, die aus 16 grobstofflichen, chemischen Elementen besteht.
Gott erschuf  in Sich selbst verschiedene Ideen und projizierte sie dann als Träume. So entstand die kosmische Traumwelt, die sich  wie eine schöne Frau  mit dem prunkvollen Schmuck der Relativität behängt hat.
In den 35 Gedankenkategorien des Kausalkörpers hat Gott die 19 astralen Elemente und die sie ergänzenden 16 physischen Elemente bis ins einzelne ausgearbeitet. Zuerst verdichtete Er die feinstofflichen Schwingungskräfte und erzeugte somit den
Astralkörper; dann verdichtete Er die grobstofflichen Elemente und erschuf den physischen Körper. Bedingt durch das Relativitätsgesetz, das aus der Ursprünglichen Einheit eine verwirrende Vielfalt schuf, unterscheidet sich der kausale Kosmos und der Kausalkörper vom astralen Kosmos und vom Astralkörper; und ebenso unterscheidet sich der physische Kosmos und der physische Körper von den anderen Formen der Schöpfung.
Der irdische Körper ist ein fester manifestierter Traum des Schöpfers. Auf der Erde gibt es die ewigen Gegensätze: Gesundheit und Krankheit, Lust und Schmerz, Gewinn und Verlust, und die menschlichen Wesen finden in der dreidimensionalen Welt überall Begrenzung und Widerstand. Wenn der Lebenswille des Menschen durch Krankheit oder andere Ursachen gebrochen wird, tritt der Tod ein, und das schwere Gewand des Fleisches wird vorübergehend abgeworfen. Die Seele bleibt jedoch weiterhin im Astral- und Kausalkörper eingeschlossen 9.

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