Auszug aus der Autobiographie eines Yogi von Paramahansa Yogananda. Kapitel 43, Seite 522

die Auferstehung und Jenseitskunde des Sri Yukteswar
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9 Unter Körper versteht man jede grob- oder feinstoffliche Hülle, in der die Seele eingeschlossen ist. Die drei Körper werden als "Käfige des Paradiesvogels" bezeichnet.

Die Kohäsionskraft, die alle drei Körper zusammenhält, sind die Wünsche; es ist diese Triebkraft der unerfüllten Wünsche, welche die Knechtschaft des Menschen verursacht.
Körperliche Wünsche wurzeln im Egoismus und in der Sinnenlust. Der Zwang, den die Sinne ausüben, und die sinnlichen Verlockungen sind stärker als der Wunsch  nach  astralen oder kausalen Wahrnehmungen.
Astrale Wünsche wurzeln in geistigen Genüssen, die sich durch Schwingungen mitteilen. So lauschen die astralen Wesen z.B. der ätherischen Musik der Sphären und berauschen sich am Anblick der Schöpfung, die sich ihnen in ewig wechselnden Lichterscheinungen offenbart. Astrale Wesen können das Licht auch riechen, schmecken und berühren. So hängen die astralen Wünsche  also mit der Fähigkeit der Astralwesen zusammen, jeden gewünschten Gegenstand unmittelbar als Lichtform zu verdichten und in Gedanken oder Träumen herrliche Erlebnisse hervorzurufen.
Kausale Wünsche können nur durch geistige Wahrnehmungen erfüllt werden. Die nahezu freien Wesen, die nur noch in die Kausalhülle eingeschlossen sind, nehmen den ganzen Kosmos als projizierte Traumgedanken Gottes wahr. Sie können alles und jedes durch bloße Gedanken materialisieren. Daher empfindet ihre sensible Seele jede körperliche Lust oder astrale Freude als grob und beklemmend. Die Kausalwesen befreien sich von ihren Wünschen, indem sie diese augenblicklich materialisieren. 10

10 So half z.B. Babaji Lahiri Mahasaya, sich von seinem im Unterbewußtsein schlummernden Wunsch nach einem Palast 'der aus einem früheren Leben stammte' zu befreien. (Siehe Seite 398)

Da sie nur noch von dem feinen Schleier des Kausalkörpers umgeben sind, können sie  wie der Schöpfer  ganze Universen ins Leben rufen. Alle Welten bestehen aus kosmischem Traumstoff; deshalb besitzt ein Wesen, das nur noch mit einem feinen Kausalkörper bekleidet ist, ungeheure Kraft der Verwirklichung.
Die Seele, die von Natur unsichtbar ist, kann nur dann wahrgenommen werden, wenn sie sich mit einem oder mehreren Körpern bekleidet. Das bloße Vorhandensein eines Körpers bedeutet also, daß er aufgrund unerfüllter Wünsche entstanden ist. 11

11 Er aber sprach zu ihnen: "Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Geier". (Lukas 17, 37) Überall, wo die Seele in einem physischen, astralen oder kausalen Körper eingeschlossen ist, versammeln sich auch die Geier der Wünsche und halten die Seele gefangen. Sie nähren sich von den menschlichen Schwächen, die in der inneren Bindung an die Sinnenfreuden oder an die Freuden der Astral- und Kausalwelt bestehen.

Solange die menschliche Seele in ein, zwei oder drei körperliche Gefäße eingeschlossen ist, die fest mit dem Korken der Unwissenheit und der Wünsche verschlossen sind, kann sie nicht mit dem Meer des GEISTES verschmelzen. Wenn das grob stoffliche, körperliche Gefäß im Tode zerstört wird, bleiben noch die beiden anderen Behälter  der astrale und der kausale
 bestehen und hindern die Seele daran, sich bewußt mit dem Allgegenwärtigen Leben zu vereinigen. Erst wenn man Weisheit und dadurch Wunschlosigkeit erlangt hat, lösen sich die anderen beiden Gefäße auf. Dann endlich ist die kleine Menschenseele frei und wird eins mit der Unermeßlichen Unendlichkeit."

Ich bat meinen göttlichen Guru, mir die erhabene und geheimnisvolle Kausalsphäre noch näher zu erläutern.
"Die Kausalwelt ist von unbeschreiblicher Feinheit", erwiderte er. "Um sie zu verstehen, müßte man über eine derartig starke Konzentrationskraft verfügen, daß man sich bei geschlossenen Augen den unermeßlichen Astralkosmos sowie den physischen Kosmos - den leuchtenden Ballon mit der festen Gondel - nur noch als Idee vergegenwärtigen kann. Wenn es einem durch eine solch übermenschliche Konzentration gelänge, diese beiden Welten und ihre verwirrende Mannigfaltigkeit in reine Ideen zu verwandeln oder aufzulösen, würde man die Kausalwelt, das Grenzgebiet zwischen Geist und Materie, erreichen. Dort nimmt man alle erschaffenen Dinge - feste, flüssige und gasförmige Stoffe, Elektrizität, Energie und alle Lebewesen: Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen und Bakterien - lediglich als Bewußtseinsformen wahr, ähnlich wie man bei geschlossenen Augen noch weiß, daß man existiert, obgleich man seinen Körper nicht mehr sehen kann.
Alles, was der Mensch in seiner Phantasie tun kann, kann ein Kausalwesen in Wirklichkeit tun. Intelligente Menschen mit lebhafter Vorstellungskraft können sich in Gedanken zwischen extremen Gegensätzen bewegen, können von einem Planeten zum anderen schweben, oder sich in den endlosen Abgrund der Ewigkeit stürzen; sie können gleich einer Rakete in den sternübersäten Himmel emporsteigen und wie ein Scheinwerferlicht über die Milchstraßensysteme des Weltraums gleiten. Die Wesen in der Kausalwelt können aber noch mehr tun:
sie können ihre Gedanken mühelos materialisieren, und dies ohne irgendwelche stofflichen und astralen Widerstände oder karmischen Begrenzungen.
Die Kausalwesen erkennen, daß der physische Kosmos nicht in erster Linie aus Elektronen und der astrale Kosmos nicht im wesentlichen aus Biotronen besteht, sondern daß beide in Wirklichkeit aus unendlich kleinen Bruchteilehen des göttlichen GEISTES geschaffen sind, der durch Maya, das Gesetz der Relativität (das dem Anschein nach die Schöpfung von ihrem Schöpfer trennt), gespalten und aufgeteilt worden ist.
Seelen in der Kausalwelt nehmen sich gegenseitig als individualisierte Funken des glückseligen GEISTES wahr. Die einzigen 'Dinge', mit denen sie sich umgeben, sind Gedankenbilder. Für die Kausalmenschen besteht der Unterschied zwischen ihren Körpern und Gedanken nur in der Vorstellung. Genauso, wie sich der Mensch mit geschlossenen Augen ein weißes Licht oder einen bläulichen Nebeldunst vorstellen kann, so können die Kausalwesen allein durch ihre Gedanken sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Sie erschaffen alles aus der Kraft ihres kosmischen Geistes und lösen es auf dieselbe Weise wieder auf.
Geburt und Tod vollziehen sich in der Kausalwelt nur in Gedanken. Die einzige Speise, welche die Kausalmenschen zu sich nehmen, ist die Ambrosia ewig neuer Erkenntnis. Sie trinken aus dem Quell des Friedens, schweben über den unberührten Boden göttlicher Wahrnehmungen und treiben im endlosen Meer der Freude dahin. Sieh, wie ihre leuchtenden Gedankenkörper an Abermillionen aus GEIST-Stoff  erschaffener Planeten, an neu entstandenen Universen, an Weisheitssternen und Traumgebilden aus goldenen Spiralnebeln vorüber gleiten, die alle im Schoß der Unendlichkeit ruhen!
Viele Wesen bleiben mehrere tausend Jahre im Kausalkosmos. Durch immer tiefere Ekstase befreit sich die Seele schließlich von ihrem kleinen Kausalkörper und geht in den unermeßlichen Kausalkosmos ein. Alle einzelnen Gedankenwellen
- Macht, Liebe, Wille, Freude, Frieden, Intuition, Stille, Selbstbeherrschung und Konzentration - lösen sich dann im unerschöpflichen Meer der Glückseligkeit auf. Nicht länger mehr braucht die Seele ihr Glück in einer individuellen Bewußtseinswelle zu suchen; sie ist in das große Kosmische Meer eingegangen, das alle Wellen in sich birgt - ewige Freude, ewiges Lachen, ewiges Leben.
Wenn die Seele aus dem Kokon der drei Körper hinausgelangt ist, entrinnt sie auf immer dem Gesetz der Relativität und wird zum unnennbaren Ewigen Dasein. 12

12 "Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes" und er soll nicht mehr hinausgehen
(d.h., soll sich nicht mehr wiederverkörpern) ... Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Stuhl" Offenbarung 3, 12; 21 Schau den Schmetterling der Allgegenwart, in dessen Flügel Sonnen, Monde und Sterne eingeätzt sind! Die Seele, die zum GEIST geworden ist, bleibt allein in der Sphäre des lichtlosen Lichts, des dunkelsten Dunkels, des gedankenlosen Gedankens und berauscht sich in ekstatischer Freude am Kosmischen Schöpfungstraum Gottes."
"Eine freie Seele!" rief ich ehrfürchtig aus.
"Wenn sich die Seele endlich aus den drei körperlichen Hüllen der Täuschung befreit", fuhr der Meister fort, "vereinigt sie sich, ohne ihre Individualität zu verlieren, mit dem Unendlichen. Christus hatte diese endgültige Freiheit bereits erlangt, ehe er als Jesus geboren wurde. In seinen früheren Inkarnationen hatte er drei Entwicklungsstufen zurückgelegt  die in seinem letzten Erdenleben durch die drei Tage von Tod und Auferstehung versinnbildlicht wurden  und schließlich die Macht gewonnen, voll und ganz zum GEIST aufzusteigen.
Der unentwickelte Mensch muß zahlreiche irdische, astrale und kausale Inkarnationen durchmachen, ehe er sich von seinen drei Körpern lösen kann. Einem Meister, der seine endgültige Freiheit erlangt hat, steht es frei, als Prophet zur Erde zurückzukehren und andere Menschen auf den Weg zu Gott zu führen. Oder er kann, wie ich, im Astralkosmos leben und den dortigen Bewohnern einen Teil ihres Karmas abnehmen; dadurch hilft er ihnen, den Kreislauf der Wiedergeburten im astralen Kosmos zu beenden und für immer in die Kausalsphäre einzugehen. 13
13 Hiermit deutete Sri Yukteswar an, daß er, ebenso wie in seiner irdischen Inkarnation, wo er gelegentlich die Krankheit eines seiner Jünger auf sich genommen hatte, um dessen Karma zu erleichtern, auch als Erlöser in der Astralwelt die Fähigkeit hat, anderen einen Teil ihres astralen Karmas abzunehmen; dadurch beschleunigt er ihre Entwicklung und bereitet sie für die höhere Kausalwelt vor. Auch kann eine befreite Seele in der Kausalwelt bleiben, um den dortigen Wesen zu helfen, ihre Zeitspanne im Kausalkörper zu verkürzen und endgültig befreit zu werden."
"Auferstandener Meister, ich möchte gern mehr über das Karma wissen, das die Seele zwingt, in die drei Welten zurückzukehren." Ich hätte meinem allwissenden Meister in alle Ewigkeit zuhören können. Niemals hatte ich während seines Erdenlebens in so kurzer Zeit so viel von seiner Weisheit in mich aufnehmen können. Jetzt gewann ich zum ersten Mal einen tiefen Einblick in die geheimnisvollen Bereiche zwischen Diesseits und Jenseits.
"Das irdische Karma, d.h. die irdischen Wünsche des Menschen, muß völlig ausgelöscht sein, ehe dieser für immer in der Astralwelt bleiben kann", erklärte mein Guru mit seiner melodischen Stimme. "Es gibt zwei Arten von Astralwesen. Diejenigen, die noch irdisches Karma zu sühnen haben und daher wieder in einen grobstofflichen Körper zurückkehren müssen, gelten nach ihrem körperlichen Tod nur als Besucher, nicht als ständige Bewohner der Astralwelt.
Wesen mit ungetilgtem irdischem Karma dürfen nach ihrem Tod in der Astralwelt nicht in die höhere Kausalsphäre
- die Sphäre kosmischer Ideen  eingehen, sondern müssen zwischen der physischen und astralen Welt hin und herwandern, wo sie sich abwechselnd eines irdischen Körpers aus 16 grobstofflichen Elementen und eines Astralkörpers aus 19 feinstofflichen Elementen bewußt sind. Unentwickelte Menschen jedoch fallen nach dem Verlust ihres irdischen Körpers meist in einen tiefen, dumpfen Todesschlaf und sind sich der wunderbaren Astralgefilde kaum bewußt. Nach dieser astralen Ruhepause kehren sie auf die körperliche Ebene zurück, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Allmählich aber gewöhnen sie sich durch ihre wiederholten Besuche an die feinstoffliche, astrale Welt.
Die ständigen Bewohner des astralen Universums dagegen sind frei von allen materiellen Wünschen und brauchen daher nicht mehr in die grobe Schwingungssphäre der Erde zurückzukehren. Solche Wesen haben nur noch ihr astrales und kausales Karma abzutragen. Nach ihrem astralen Tode betreten sie die unendlich feinere Kausalwelt und kehren nach einer vom kosmischen Gesetz bestimmten Zeitspanne wieder zu Hiranyaloka oder einem anderen hochentwickelten Astralplaneten zurück, wo sie in einem neuen Astralkörper geboren werden, um ihr noch verbleibendes astrales Karma zu sühnen.
Mein Sohn", fuhr Sri Yukteswar fort, "nun wirst du besser verstehen, daß ich auf göttliches Geheiß auferstanden bin, um vor allem jene Seelen zu erlösen, die nach ihrer Rückkehr von der Kausalsphäre in der Astralwelt wiedergeboren werden, und nicht so sehr die anderen Astralwesen, die noch Spuren irdischen Karmas haben. Letztere können sich nicht zu den hochentwickelten Astralplaneten, zu denen auch Hiranyaloka gehört, erheben.
Wie die meisten Menschen auf dieser Erde noch nicht gelernt haben, zu meditieren und sich die höheren Freuden der Astralwelt vorzustellen und sich daher, sobald sie gestorben sind, nach den unvollkommenen irdischen Freuden zurücksehnen, so können sich auch viele Astralwesen nach der natürlichen Auflösung ihres Astralkörpers noch nicht den erhabenen Geisteszustand der Kausalwesen vorstellen. Sie sehnen sich nach dem gröberen und prunkvolleren Astralhimmel zurück. Solche Menschen haben noch schweres astrales Karma zu sühnen, ehe sie nach ihrem astralen Tode ständig in der kausalen Welt der Gedanken bleiben können, die sie nur noch um ein geringes von ihrem Schöpfer trennt.
Nur wer sich nach keinen weiteren Erlebnissen in dem für das Auge so verlockenden Astralkosmos sehnt und nicht in Versuchung geführt werden kann, zu ihm zurückzukehren, darf in der Kausalwelt bleiben. Dort sühnt die eingeschlossene Seele ihr noch verbleibendes kausales Karma, d.h., sie zerstört die Saat aller ehemaligen Wünsche und entfernt den letzten der drei Korken der Unwissenheit. Dann endlich wirft sie ihre letzte Hülle - den Kausalkörper - ab, um mit dem Ewigen zu verschmelzen.
"Verstehst du nun?" fragte der Meister mit bestrickendem Lächeln.
"Ja, durch Eure Gnade! Ich weiß nicht, wie ich meine Freude und Dankbarkeit in Worte fassen soll."
Niemals hatte mir irgendein Buch oder Epos ein derart tiefes Wissen vermittelt. Obgleich die heiligen Schriften der Hindus die Kausal- und Astralwelt und die drei Körper des Menschen erwähnen, schienen mir die gedruckten Worte im Vergleich mit dem lebendigen Zeugnis meines auferstandenen Meisters jetzt blaß und nichtssagend. Für ihn gab es kein unbekanntes "Land, von dessen Ufern kein Wanderer wiederkehrt"  14
14 "Hamlet", Akt III, Szene 1 "Das wechselseitige Durchdringen der drei Körper zeigt sich auch in der dreifachen Natur des Menschen", fuhr mein großer Guru fort. "Im Wachzustand ist sich der Mensch mehr oder weniger aller drei Körper bewußt. Wenn seine Sinne mit Schmecken, Riechen, Tasten, Hören und Sehen beschäftigt sind, wirkt er vor allem durch seinen physischen Körper. Wendet er Willens- und Vorstellungskraft an, wirkt er in erster Linie durch seinen Astralkörper. Und wenn er tief nachdenkt, Innenschau oder Meditation übt, wirkt er hauptsächlich durch seinen Kausalkörper. Ein Genie empfängt seine kosmischen Ideen dadurch, daß es die meiste Zeit mit seinem Kausalkörper verbunden bleibt. In diesem Sinne gibt es also vorwiegend  'materielle', 'tatkräftige' oder 'intellektuelle' Menschen.
Der Mensch identifiziert sich täglich etwa 16 Stunden mit seiner körperlichen Hülle. Dann schläft er ein. Wenn er träumt, bleibt er in seinem Astralkörper und erschafft ebenso mühelos wie die Astralwesen beliebige Gegenstände. Im tiefen und traumlosen Schlaf  aber versetzt er sein Bewußtsein, d.h. sein Ichbewußtsein, für einige Stunden in den Kausalkörper; ein solcher Schlaf ist erquickend. Solange er jedoch träumt, ist er mit seinem astralen und nicht mit seinem kausalen Körper in Verbindung und fühlt sich nach dem Schlaf nicht völlig erfrischt."
Ich hatte Sri Yukteswar während der ganzen Zeit liebevoll beobachtet.
"Engelhafter Guru", sagte ich, "Euer Körper sieht genauso aus wie vor einigen Monaten, als ich ihn in Puri beweinte."
"Nun ja, mein neuer Körper ist ein genaues Abbild des alten. Ich materialisiere und entmaterialisiere diese Gestalt nach Wunsch  viel häufiger, als ich es auf Erden tat. Durch augenblickliche Entmaterialisation kann ich mit dem 'Lichtexpreß' von einem Planeten zum anderen, oder sogar vom astralen zum kausalen oder physischen Kosmos reisen." Lächelnd fügte mein göttlicher Guru hinzu: "Obgleich du in diesen Tagen so viel umhergereist bist, war es nicht schwer für mich, dich in Bombay zu finden.
"0 Meister, wie sehr ich unter Eurem Tod gelitten habe!" "Bin ich denn tot? Ist diese Behauptung nicht ein wenig widersinnig?" Sri Yukteswars Augen glänzten vor Liebe und Heiterkeit.
"Auf Erden hast du nur geträumt und sahst in diesem Erdentraum meinen Traumkörper", fuhr er fort. "Später hast du das Traumbild begraben. Und jetzt ist mein feinstofflicher Traumkörper, den du vor dir siehst und im Augenblick sogar recht fest umarmst, auf einem feineren Traumplaneten Gottes auferstanden. Eines Tages werden dieser feinstoffliche Traumkörper und der Traumplanet wieder vergehen; denn auch sie existieren nicht ewig. Alle Traumschöpfungen müssen schließlich bei Gottes erweckender Berührung zerstieben. Mein Sohn Yogananda, lerne den Traum von der Wirklichkeit unterscheiden!"
Diese aus dem Vedanta stammende Vorstellung 15
15 Leben und Tod sind nichts anderes als relative Vorstellungen. Der Vedanta erklärt, daß Gott die einzige Wirklichkeit ist, daß die ganze Schöpfung, d.h. alles individuelle Dasein, Maya oder Illusion sei. Diese Philosophie des Monismus gipfelte in Sri Shankaracharyas Kommentaren zu den uralten Upanishaden (Zusammenfassung der Veden).  beeindruckte mich zutiefst, und ich schämte mich, daß ich den leblosen Körper des Meisters in Puri betrauert hatte. Endlich verstand ich, daß mein Guru schon immer in Gott erwacht gewesen war, daß er sein Leben, seinen Tod und seine jetzige Auferstehung nur als relative göttliche Ideen des kosmischen Traumdramas ansah.
"Ich habe dir nun die Wahrheit über mein Leben, meinen Tod und meine Auferstehung mitgeteilt, Yogananda. Trauere nicht um mich, sondern verbreite überall die Kunde von meiner Auferstehung. Verkündige allen, daß ich von dieser Erde, die ein Traum Gottes ist, zu einem Astralplaneten  einem anderen Traum Gottes  aufgefahren bin. Neue Hoffnung wird dann in die Herzen der irdischen Träumer einkehren, die noch unter Kummer und Todesfurcht leiden."
"Ja, Meister! " Wie gern wollte ich meine Freude über seine Auferstehung mit anderen teilen!
"Für die meisten Menschen dieser Erde waren meine Anforderungen ungewöhnlich hoch. Oft habe ich dich mehr als nötig gescholten. Du aber hast all meine Prüfungen bestanden; deine Liebe leuchtete durch alle Wolken des Tadels hindurch." Und zärtlich fügte er hinzu: "Ich bin heute auch deshalb zu dir gekommen, um dir zu sagen: Nie mehr werde ich dich mit strengem, tadelndem Blick ansehen. Nie mehr werde ich dich schelten."
Wie sehr hatte ich die Zurechtweisungen meines großen Gurus vermißt! Jede von ihnen war mir ein Schutzengel gewesen.
"Liebster Meister, scheltet mich tausendmal  scheltet mich in diesem Augenblick!"
"Ich werde es nie mehr tun." Obgleich seine göttliche Stimme ernst klang, schwang dennoch ein heimliches Lachen in ihr. "Wir werden gemeinsam lächeln, solange sich unsere beiden Formen noch im Maya-Traum Gottes voneinander unterscheiden. Einst aber werden wir beide mit dem Kosmischen Geliebten verschmelzen. Dann wird unser Lächeln zu Seinem Lächeln werden, und unser vereinter Freudengesang wird in der Ewigkeit widerhallen und alle auf Gott eingestellten Seelen erreichen."
Dann klärte mich Sri Yukteswar noch über gewisse Dinge auf, die ich hier nicht wiedergeben kann. Während der zwei Stunden, die er in meinem Hotelzimmer in Bombay blieb, beantwortete er all meine Fragen. Mehrere Prophezeiungen von weltumfassender Bedeutung, die er an jenem Junitag des Jahres 1936 äußerte, haben sich bereits erfüllt.
"Ich verlasse dich nun, geliebtes Kind!" Bei diesen Worten fühlte ich, wie sich der Meister aus meinen Armen löste.
"Mein Kind", sagte er mit einer Stimme, die auf den Grund meiner Seele drang, "jedesmal, wenn du in den Nirvikalpa-Samadhi eingehst und mich rufst, werde ich, wie heute, leibhaftig zu dir kommen."
Mit diesem himmlischen Versprechen entschwand Sri Yukteswar meinen Blicken. Dann hörte ich eine Stimme, die wie melodischer Donner aus den Wolken zu kommen schien: "Sage es allen: Wer durch Nirvikalpa-Verwirklichung erkennt, daß diese Erde nur ein Traum Gottes ist, kann zu dem feinstofflichen Traumplaneten Hiranyaloka aufsteigen und mich dort in einem auferstandenen Körper finden, der genau meinem irdischen gleicht. Yogananda, sage es allen!"
Vergangen war der Trennungsschmerz. Der Kummer über seinen Tod, der mir so lange meinen inneren Frieden geraubt hatte, ergriff nun beschämt die Flucht. Statt dessen überflutete mich eine unbeschreibliche Glückseligkeit. In dieser ekstatischen Flut öffneten sich die seit langem "verstopften" Poren meiner Seele und wurden durchlässig und rein. Gleich einem Film rollten meine ehemaligen Inkarnationen vor meinem inneren Auge ab, und alles gute und schlechte Karma jener Traumfiguren löste sich in dem kosmischen Licht auf, das der Meister während seines göttlichen Besuches über mich ausgegossen hatte.
In diesem Kapitel meiner Autobiographie bin ich dem Befehl meines Gurus nachgekommen und habe die frohe Botschaft von seiner Auferstehung verbreitet, obwohl sie einmal mehr eine gleichgültige Generation verwirren könnte. Gefallen an gemeinen Dingen kennt der Mensch zur Genüge; Verzweiflung ist ihm nicht fremd. Doch dies sind Abnormitäten, die nichts mit seiner wahren Bestimmung zu tun haben. Sobald er es ernstlich will, kann er den Weg in die Freiheit antreten. Zu lange hat er sich von seinen pessimistischen Ratgebern einreden lassen: "Du bist Erde", anstatt sich auf seine unsterbliche Seele zu besinnen.
Ich war nicht der einzige, dem das Vorrecht zuteil wurde, den auferstandenen Guru zu sehen.
Eine von Sri Yukteswars Chelas, eine alte Frau, die von allen liebevoll Ma (Mutter) genannt wurde, hatte ein ähnliches Erlebnis. Da sie in der Nähe der Einsiedelei von Puri wohnte, war der Meister oft bei seinem Morgenspaziergang vor ihrer Haustür stehengeblieben, um mit ihr zu plaudern. Am Abend des 16. März 1936 kam Ma zum Ashram, um ihren Guru zu besuchen.
"Der Meister ist doch vor einer Woche gestorben!" sagte Swami Sebananda, der inzwischen die Leitung der Einsiedelei übernommen hatte, und blickte sie traurig an.
"Das ist unmöglich!" widersprach sie lächelnd.
"Leider nicht", sagte Sebananda und erzählte ihr dann in allen Einzelheiten, was sich zugetragen hatte. "Kommt", sagte er, "ich will Euch in den Vorgarten führen und Euch seine Grabstätte zeigen. "
Doch Ma schüttelte den Kopf. "Für ihn gibt es kein Grab! Heute morgen um 10 Uhr kam er, wie gewöhnlich, auf seinem Spaziergang an meinem Haus vorbei und blieb vor der Tür stehen. Ich unterhielt mich mehrere Minuten lang mit ihm im hellen Tageslicht.
'Komm heute abend zum Ashram', sagte er.
Und hier bin ich. Welcher Segen sich über dieses alte, graue Haupt ergießt! Der unsterbliche Guru wollte mir zu verstehen geben, daß er mich diesen Morgen in einem überirdischen Körper aufgesucht hat." ect (Auszug aus den Niederschrieften des Paramahansa Yogananda in seinem Buch Autobiografie eines Yogi.)

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